Hallo Leute,
( !!! ACHTUNG !!! Das wird jetzt „etwas“ länger! )
gestern war ich in Pforzheim und habe mal die neue "Electronium 3000 - Tastatur und das "Electron 3000" ausführlich getestet.
Zufälligerweise war auch der Entwickler des Electron 3000 gerade in der Werkstatt, der mir einige - für mich bisher teils undurchsichtige - Zusammenhänge etwas näher erläutern konnte. Ist übrigens derselbe Entwickler, der für DynaSample das "XPression" entwickelt hat. Der Unterschied der beiden Geräte besteht wohl darin, dass das Electron 3000 alle Electronium-Tastaturen direkt unterstützt (auch gemischt) und von der Bedienung hundertprozentig für's Electronium optimiert ist. XPression unterstützt zwar auch das Electronium, ist aber noch für andere Kontroller wie Keyboards, elektronische Blasinstrumente, u.v.m. gebaut und hat daher auch viele neue Funktionen, die für den reinen Electronium-Betrieb nicht unbedingt notwendig – vielleicht sogar überladen - sind. Dazu gibt’s auch auf der DynaSample-Website noch einiges.
Zur Tastatur:
Die neue Elec-Tastatur sieht echt langweilig aus, wird aber nach Angaben von Bernhard Zimmermann von akkord.de noch optisch „aufgepeppelt“ werden. Vom Tastaturgefühl her mehr oder weniger identisch mit dem Electronium 2000 (hat auch – soweit ich das verstanden habe – dieselbe HOHNER - Tastatur). Anschlagdynamik und Aftertouch gibt es leider immer noch nicht. Allerdings stellt sich die Frage: ist das beim Electronium überhaupt sinnvoll?
Die linke Hand dagegen ist völlig neu konzipiert. Da gibt es fünf Schnellspeichertasten, drei Oktavtaster (keinen Schieberegler mehr!) und einen Sustainpedal-Taster für den kleinen Finger. Daneben gibt es zwei Schieberegler für Vibrato (CC01) und Hauptlautstärke (CC07) und einen Pitchbendstick. Alles optimal auf die Handposition angepasst und somit gleichzeitig bedienbar. Damit kann man – ohne die Handposition zu verändern - zwei „Synth-Räder“, Pitchbend, Sustain, Oktavlage und Programmwechsel gleichzeitig bedienen. Absolut geil! So ergonomisch ist kein Synthesizer. Die Schnellspeichertasten haben Doppelfunktionen. Damit kommt man direkt in den Edit-Modus des Electron 3000 und kann damit auch durch die Menüs navigieren. Wertveränderungen macht man mit den beiden Data-Entry–Rädern. Angezeigt bekommt man alles auf dem Tastatur-Display, das 1:1 das Electron 3000 Display kopiert. D.h. genau genommen ist das Electronium 3000 eigentlich eine große „Fernbedienung“ für das Electron 3000.
Die Programmtasten auf der rechten Seite sind zwar mit einer Standardbelegung beschriftet, lassen sich aber (Gott sei Dank) total schnell beliebig umprogrammieren. Taste drücken mit dem Endlosdrehregler eine der 128 Klangfarben auswählen und dann auf den Drehregler drücken. Fertig! (Hatte ich schon mal „geil“ erwähnt?)
Fünf Schnellspeichertasten gibt’s auch. Einfach zwei Sekunden drücken und die aktuelle Klangfarbe ist gespeichert. Soundwechsel sind extrem schnell ohne jegliches Abreißen – auch bei gehaltenen Tönen. Dasselbe beim Oktavwechsel: Taste drücken und der nächste Ton spielt in der neuen Oktave, selbst wenn der alte Ton noch gehalten wird.
Das waren für mich immer die nervigsten Dinger bei den alten Tastaturen. Ständig abreißende Töne und Verzögerungen bei Sound- oder Oktavwechsel. Ein absoluter Fortschritt – vor allem auch, weil Du jetzt auch alle Sound-Editiermöglichkeiten direkt in der Tastatur hast.
<Zitat Chris:>
Am Stand nebenan war natürlich auch Roland mit dem V-Akkordeon vertreten. Soll es eine elektronische Taste im Akkordeonformat sein, dann stellt das für mich 1. Wahl dar. Aftertouch und Anschlagdynamik sprechen für sich.
<Ende Zitat Chris>
Und was ist mit Pitchbend beim V-Accordion?
Da kannst Du lange suchen! Wenn ich die Wahl habe zwischen Aftertouch und Pitchbend, dann ziehe ich jederzeit Pitchbend vor. Auch die Balgdynamik ist meiner Meinung nach (zumindest für diesen Zweck) mehr als gewöhnungsbedürftig. Ist einfach nicht so mein Ding als Electronium-Ersatz!
Jetzt aber zum Soundmodul:
Das Electron 3000 kannte ich ja schon vorher. Da hat sich aber, seit ich es zum letzten Mal in den Fingern hatte, softwareseitig einiges getan.
Man kann inzwischen auf diverse Arten alle Midicontroller auf andere Controller oder Funktionen „um-mappen“. D.h. man kann sich alle verfügbaren „Realtime-Funktionen“ auf die beiden Schieberegler (oder auch Keyboard-Schieberegler) legen und bei Bedarf sogar den Regelbereich festlegen. Anschlagdynamik versteht der Expander jetzt auch, allerdings nur für perkussive Sounds, wie z.B. Klavier oder Marimba.
Der Sound der Bläser ist im Vergleich zu allen mir bekannten Synths (oder Software-Synth) viel natürlicher, weil das Teil auf die Dynamik richtig von den Klangfarbenveränderungen her reagiert. Man kann da z.B. ein Crescendo von pp bis ff machen, was bei fast allen Sampleplayern nicht geht, weil z.B. nur ein mf-Sample voranden ist, oder nicht ohne größere Phasenauslöschungen zwischen einem lauten und leisen Sample übergeblendet werden kann. Ich selbst bin da extrem empfindlich, wie ich u. a. auch Bläser (Sax) bin. Sehr wichtig ist für mich übrigens auch ein „echt klingendes“ Legato-Spiel. Das klingt auf dem Electron 3000 besser, als auf allem, was ich bisher in den Fingern hatte. Auch die Attacks werden je nach Dynamik verändert. BTW zu diesem Thema stehen auf der
www.dynasample.com Website auch einige Erklärungen (TBD).
Auch das Vibrato macht die Soundveränderungen richtig mit. Also nicht nur computermäßiges Pitch rauf/runter sondern Pitch & Sound. Außerdem: kein LFO, sondern „Vibrato-Samples“ (d.h. nicht Samples mit Vibrato, sondern „LFO-Samples“).
Übrigens lässt sich das Vibrato logischerweise voll editieren und man kann sich aussuchen, ob man das gespeicherte Vibrato benutzen möchte, oder ob die Stärke immer auf dem Schieberegler liegt. Wer also kein Vibrato will: Schieberegler runter – AUS! Diese Option gibt’s meines Wissens nach bei keinem Synthesizer. Entweder immer der gespeicherte Preset-Wert oder aber immer das ModWheel.
Die Soundauswahl ist halt auf den Bedarf des Electroniums im Orchester angepasst. Mit Synthie-Sounds „is nix“, sondern eben nur bodenständige Naturinstrumente. Nicht zu vergessen die alten Röhren-Elec-Sounds (will die denn heute noch jemand?). Die Edit-Parameter sind daher auch auf die sinnvollen Parameter für diese Kangfarben beschränkt. Also z.B. nur Attack und Release und nicht die vollständigen Hüllkurven. Für den „normalen“ Spieler ist der Edit-Bereich sowieso auf’s Wesentlich reduziert, für die Editier-Freaks gibt’s dann noch einen „Experten-Modus“ (oder wie das heißt). Damit kommt man dann schon deutlich weiter.
Der Clou bei dem Modul ist, dass man sich mehrere komplette „Snapshots“ des ganzen Instruments machen kann und diese sowohl intern als auch auf einem USB-Stick abspeichern kann. Donnerstag Akkordeon-Orchester mit dem Elec, Samstag Jazz Gig mit dem Keyboard. (Hatte ich schon mal das Wort „geil“ erwähnt?)
Also ich finde, man kann mit dem Teil doch einiges mehr machen als nur die Werks-Presets abzuspielen. Laut dem Entwickler ist die Oberfläche bewusst sehr schlicht und übersichtlich gehalten, um den (nicht so technikbesessenen) normalen Elec-Spieler nicht zu überfordern. Gut, dass jemand da war, der diese ganzen Infos hatte, die ich wollte. Ewig Bedienungsanleitungen wälzen gehört nämlich nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen! Ist aber auch ohne Anleitung recht gut zu bedienen, weil man auf allen Edit-Seiten zuerst eine (deutsche) Kurzbeschreibung bekommt. Man sieht also nicht nur irgendwelche unverständliche, kryptische Parameter-Kürzel ohne Zusammenhang.
So, jetzt sollte man halt noch ein bisschen Kohle, Moos oder auch Asche rumliegen haben (was ein Thema ist, das man bei mir unbedingt nicht ansprechen sollte!). Wie’s aussieht, wird die neue Tastatur aber ohnehin erst zum Jahresende lieferbar sein, da bei HOHNER die Produktion anscheinend heillos „überlastet“ sein soll (?). Als ich da war wurde gerade eine alte Elec-Tastatur (ich glaube TK?) umgerüstet. Man kann also wohl auch seine „alten“ Elecs noch mal „aufmotzen“.
Ich hoffe, allen Elec-Interessierten mit diesem – etwas langen – „Infobericht“ aus erster Hand ein paar Einsichten gegeben zu haben, die man sonst nicht so leicht findet. Ausprobieren lohnt sich auf jeden Fall!
midifreak